Schutz vor elektrostatischer Entladung (ESD) und Zündgefahren nach DIN EN IEC 61340-5-1

ESD- und Antistatik-Boden nach DIN EN IEC 61340-5-1

Ein ESD-Boden nach DIN EN IEC 61340-5-1 leitet elektrostatische Ladungen kontrolliert gegen Erde ab, mit einem Erdableitwiderstand unter 1 Gigaohm und einer Begehspannung unter 100 Volt. Das schützt empfindliche Halbleiter-Bauteile in EPA-Zonen und verhindert Zündfunken in Ex-Schutz-Bereichen.

Elektrostatische Entladungen gefährden empfindliche Bauteile und Ihre Prozesssicherheit. Wir ersetzen wartungsintensive Epoxidharz-Beschichtungen durch dauerhaft ableitfähige Bodensysteme: leitfähige Keramik oder leitfähig aufgebaute Estriche, mechanisch hochbelastbar und an den Potenzialausgleich angebunden. Für sichere Fertigung ohne Renovierungsstau, mit Abnahme-Messprotokoll.

Das Risiko

Unkontrollierte Entladung kostet Produktionssicherheit

ESD-Schäden entstehen unbemerkt: schon Entladungen im EPA-Grenzbereich von 100 Volt nach DIN EN IEC 61340-5-1 zerstören Halbleiter-Bauteile irreversibel. In Ex-Schutz-Zonen zünden sie zusätzlich brennbare Atmosphären. Standard-Beton wirkt dabei elektrisch isolierend und begünstigt die Aufladung.

Elektrostatische Entladungen sind eine unsichtbare Gefahr für Ihre Wertschöpfung. Die 100 Volt sind der EPA-Grenzwert nach IEC 61340-5-1 Tabelle 2, moderne CMOS-Halbleiter können bereits bei niedrigeren Spannungen Schaden nehmen, oft sichtbar erst durch Ausfälle beim Endkunden. In Ex-Schutz-Bereichen (ATEX) entscheidet die zuverlässige Vermeidung von Zündfunken über die Betriebssicherheit.

Standard-Betonböden wirken elektrisch isolierend. Marktübliche ESD-Beschichtungen aus Epoxidharz bieten oft nur trügerische Sicherheit: sie sind eine dünne Opferschicht, deren Ableitpfad ein Kratzer durch Palettengabel oder Metallteile unterbrechen kann. Die Schutzfunktion fällt dann unbemerkt aus, weil nur eine planmäßige Widerstandsmessung den Ausfall aufdeckt.

Wir setzen auf Systeme, in denen die Ableitfähigkeit nicht aufgelackt ist, sondern im Aufbau steckt: ein leitfähiges Keramiksystem oder ein leitfähig aufgebauter Estrich, beide fachgerecht geerdet. Das Ergebnis ist eine stabile Ladungsableitung nach DIN EN IEC 61340-5-1, die mechanischer Beanspruchung standhält. Kein Abplatzen, kein Isolationsrisiko durch Oberflächen-Verschleiß.

Die Technologien

Zwei Wege zur dauerhaften Ableitfähigkeit

Für ESD-Zonen bauen wir entweder ein leitfähiges Sechseck-Feinsteinzeugsystem (Handelsname Hexacer®) im Rüttelverfahren oder einen leitfähig aufgebauten Estrich mit additivierten Zuschlägen, je nach Belastungsprofil und Flächengröße. Beide Systeme sind an den Potenzialausgleich angebunden und liefern damit die für DIN EN IEC 61340-5-1 geforderte definierte Ableitkette.

Wir realisieren ESD-Schutz nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern nach Ihrem mechanischen und chemischen Belastungsprofil. Zwei Systeme, in denen die Leitfähigkeit eine dauerhafte Materialeigenschaft ist, keine temporäre Beschichtung.

Für extreme Punktlasten und aggressive Chemiebereiche

Das Schwerlast-System: leitfähiges Sechseck-Feinsteinzeug (Hexacer®)

In Zonen höchster Beanspruchung, etwa in der Batterieproduktion für E-Mobility, in der chemischen Industrie oder in Säureschutz-Bereichen, verlegen wir ein leitfähiges Sechseck-Feinsteinzeugsystem (Handelsname Hexacer®) im Rüttelverfahren: widerstandsfähige Sechseck-Feinsteinzeugfliesen in einem leitfähigen Kunstharzbett.

Die wirtschaftliche Lösung für Großflächen und Logistik

Das großflächige System: leitfähiger Estrich

Für Produktionshallen, Montagebereiche und Hochregallager bauen wir einen leitfähigen Estrich auf (mit leitfähigen Zuschlägen und Additiven) und schließen ihn an die Erdung an. Die hochbelastbare Estrichveredelung ist der Systemweg für großflächige EPA-Zonen mit engem Ebenheits-Fenster.

Spezifikationen & Normen

Normgerechter ESD-Schutz, gemessen statt behauptet

DIN EN IEC 61340-5-1 fordert für EPA-Böden einen Erdableitwiderstand unter 1 Gigaohm und eine Begehspannung unter 100 Volt. Beide Grenzwerte weisen wir vor Übergabe durch normgerechte Messung nach, dokumentiert in einem Abnahmeprotokoll, das die Funktion der Ableitkette für Ihr ESD-Control-Programm belegt.

Die elektrische Leistung unserer Bodensysteme beruht auf der definierten Leitfähigkeit der eingesetzten Materialien und auf fachgerechter Erdung. Die geforderten Grenzwerte für ESD-Schutzzonen (EPA) und explosionsgefährdete Bereiche weisen wir durch Messung nach.

Technische Parameter

Ableitwiderstand (Rg)

Unter 1 x 10⁹ Ω (Pflicht-Grenzwert nach DIN EN IEC 61340-5-1 in Verbindung mit DIN EN 61340-4-1).

Systemwiderstand Schuh-Boden 3,5 x 10⁷ Ω

Empfehlungswert aus DIN EN IEC 61340-4-5 für den Sonderfall, dass die Personenerdung ausschließlich über Schuh und Boden erfolgt. Kein Pflicht-Grenzwert der DIN EN IEC 61340-5-1 selbst.

Begehspannung nach DIN EN IEC 61340-4-5

Unter 100 Volt, gemittelt über die fünf höchsten Peaks während des Walking-Body-Voltage-Tests.

Ableitwiderstand nach TRGS 727

In Ex-Schutz-Zonen 0, 1, 20 und 21 (bei Stäuben mit Mindestzündenergie unter 10 mJ) unter 1 x 10⁸ Ω, zehnmal strenger als der EPA-Grenzwert der IEC 61340-5-1.

Alterungsklausel TRGS 727

Bei Bodenbeschichtungen die im Betrieb altern können, Neuzustand maximal 1 x 10⁷ Ω, nach vier Jahren maximal 1 x 10⁸ Ω.

Auslegungsbereich ableitfähig

10⁶ bis 10⁹ Ω nach DIN EN 61340-4-1.

Zerstörschwelle Bauteile

Ab wenigen Volt bei modernen CMOS-Halbleitern, in EPAs deshalb Personenerdung und Bodensystem gemeinsam.

Normen

Internationale Norm für den Schutz elektronischer Bauteile vor elektrostatischen Phänomenen. Ausgabe 2025-06 ersetzt die Vorgängerversion 2017-07, Übergangsfrist bis 2027-06-27.

Widerstandsbereiche und Messverfahren für Bodensysteme (Elektroden-Widerstand Boden zu Erde).

Verfahren für das Prüfen der Wirksamkeit von Fußböden und Schuhwerk gegen elektrostatische Aufladung von Personen (Walking-Body-Voltage-Test).

Technische Regel für Gefahrstoffe „Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen“ (BAuA, Ausgabe Januar 2016).

Elektrisch ableitfähige Bodenbeläge im Säureschutzbau (AGI Bensheim).

Weiterführende Links

Verifizierung und Erdung

Die Ableitung erfolgt über ein eingebrachtes Kupferband-Netz oder über definierte Erdungspunkte (Earth Bonding Points, EBP), kraftschlüssig mit dem Potenzialausgleich des Gebäudes verbunden. Wichtig: der EBP muss physisch vorhanden, zugänglich und dokumentiert sein, und er darf ausdrücklich nicht als Schutzleiter (PE) verwendet werden. Zur Übergabe gehört ein Messprotokoll der Widerstandswerte (Rg Erdableitwiderstand und Rp-p Punkt-zu-Punkt-Widerstand) unter Berücksichtigung der relativen Luftfeuchte, das die Funktion für Ihr ESD-Control-Programm dokumentiert.

Mechanik schlägt Beschichtung

Warum ein leitfähiges System die Opferschicht schlägt

Ein leitfähiges Bodensystem leitet Ladungen dauerhaft ab, weil die Leitfähigkeit im Materialaufbau verankert ist, nicht in einer dünnen Deckschicht, die ein Kratzer unterbrechen kann. Das ist der strukturelle Vorteil gegenüber ESD-Epoxidharz-Beschichtungen, die im schweren Industriebetrieb regelmäßig erneuert werden müssen.

Der Industriestandard für ESD-Schutz setzte lange auf Epoxidharz-Beschichtungen. Die haben einen konstruktiven Nachteil: sie funktionieren als Opferschicht. Sie isolieren den Beton und stellen die Leitfähigkeit über eine wenige Millimeter dünne Decklage her.

Das Risiko

Ein tiefer Kratzer durch eine Palettengabel oder ein herabgefallenes Metallteil kann das leitfähige Netz an einer Stelle durchtrennen. An dieser Stelle bricht die Ableitkette zusammen, der Boden wird lokal zum Isolator, das ESD-Risiko ist unbemerkt wieder da, messbar erst bei der nächsten geplanten Widerstandsprüfung. Dazu müssen solche Beschichtungen im schweren Industriebetrieb periodisch unter Betriebsunterbrechung erneuert werden, weil die Deckschicht durch Abrieb, Reifenspuren und mechanische Beanspruchung altert.

Split-Screen Vergleich in einer Elektronikfertigung: Links eine aufgeplatzte und zerkratzte ESD-Bodenbeschichtung - rechts ein intakter polierter Betonboden mit Volumenleitfähigkeit - Visualisierung von Verschleißanfälligkeit gegenüber mechanischer Beständigkeit.

Die Grindingfloor-Lösung: Leitfähigkeit im System

Beim Keramiksystem und beim leitfähig aufgebauten Estrich steckt die Leitfähigkeit im Aufbau, nicht in einem empfindlichen Film. Der Ableitpfad verläuft durch das gesamte Material, nicht nur durch eine oberflächliche Schicht, auch bei Kratzern oder Abrieb bleibt der Leitpfad in der Tiefe erhalten.

Blick auf einen Hexacer Industrieboden mit sechseckigen Fliesen in einer Produktionshalle mit FTS Roboter und Edelstahlmaschinen - Visualisierung der Volumenleitfähigkeit ohne Beschichtung.

Branchen

ESD-Schutz für kritische Fertigungsumgebungen

Jede Branche stellt eigene Anforderungen. In der Mikroelektronik steht der Bauteilschutz (EPA) im Fokus, in der Chemie der Personen- und Explosionsschutz nach TRGS 727. Wir passen das System an das Risikoprofil an, vom Grenzwert bis zur konkreten Erdungslösung.

Fahrerloses Transportsystem auf leitfähigem Betonboden in einer Automobil-Produktionshalle mit Robotern im Hintergrund - Visualisierung von ESD-Schutz in der E-Mobility Fertigung.

Automobil und E-Mobility

In Montage und Batteriezellfertigung treffen empfindliche Steuerelektronik und schwerer Stapler-/FTS-Verkehr aufeinander.

Autonomer Transportroboter in einem sterilen Reinraum für Mikrochip-Produktion auf extrem glattem, hochglanzpoliertem ESD-Boden - Visualisierung der Elektronikfertigung und Halbleiter-Sicherheit.

Elektronik und Mikrochip

Schon Mikroladungen schädigen Halbleiter (latente Fehler), hier zählt der definierte Systemwiderstand Mensch/Schuh/Boden.

Blick in eine pharmazeutische Produktionsanlage mit Edelstahltanks und leitfähigem Hexacer Keramikboden - Visualisierung von ESD-Schutz in Chemie und Pharma Bereichen nach ATEX Standards.

Chemie, Pharma und Ex-Schutz (ATEX)

Wo brennbare Gase oder Stäube auftreten (Zonen 0/1/2 und 20/21/22), muss der Boden Zündfunken sicher verhindern.

Automatisches Transportfahrzeug bewegt sich schnell über einen polierten leitfähigen Betonboden in einem Logistikzentrum mit Förderbändern und Hochregalen - Visualisierung von ESD-Schutz in Verpackungszentren.

Logistik und ESD-Verpackung

Automatisierte Lager erzeugen durch schnelle Bewegung Reibungselektrizität.

Prozessablauf

Von der Analyse zur gemessenen Ableitfähigkeit

Ein normkonformer ESD-Boden entsteht in vier Schritten: technische Bestandsaufnahme, mechanische Untergrundvorbereitung, Installation mit Erdungs-Management und Abnahmemessung nach DIN EN 61340-4-1 und DIN EN IEC 61340-4-5. Erst mit dokumentiertem Messprotokoll ist das Projekt fertig.

1.

Analyse und Messkonzept

Wir prüfen den Untergrund (CM-Messung der Restfeuchte, Temperatur, Abreißfestigkeit nach DIN EN 1542) und legen mit Ihren ESD-Koordinatoren die geforderten Grenzwerte für Ableit- und Systemwiderstand fest, passend zu Ihrer EPA. In Ex-Schutz-Kontexten fließt die Zonen-Klassifikation nach TRGS 727 in die Auslegung ein.

2.

Mechanische Untergrundvorbehandlung

Ein leitfähiges System braucht eine perfekte Basis. Wir bereiten den Boden durch Untergrundvorbereitung per Kugelstrahlen oder Diamantschleifen vor und entfernen haftungsmindernde und isolierende Schichten. Alte Epoxidharz- oder PU-Beschichtungen werden per Planfräsen und Entschichten sauber abgetragen, damit die neue Ableitkette homogen aufgebaut werden kann.

3.

Installation und Erdungs-Management

Einbau des gewählten Systems (leitfähige Keramik oder leitfähiger Estrich). Der kritische Punkt ist die Ableitung: definierte Erdungspunkte (EBP) und bei Bedarf Kupferbänder, fachgerecht an den Potenzialausgleich angebunden. Der EBP wird sichtbar und dokumentiert eingebaut, nicht als Schutzleiter verwendet.

4.

Verifizierung und Messprotokoll

Keine Übergabe ohne Nachweis. Wir messen zur Abnahme (Widerstandsmessung nach DIN EN 61340-4-1 und Walking-Body-Voltage-Test nach DIN EN IEC 61340-4-5 bei definierter Luftfeuchte) und dokumentieren die Werte. Best Practice: halbjährliche Nachmessungen, einmal bei sommerlicher Luftfeuchte und einmal unter Winterbedingungen, weil die relative Luftfeuchte den Ableitwiderstand messbar beeinflusst. Erst wenn die geforderten Grenzwerte flächendeckend erreicht sind, gilt das Projekt als abgeschlossen.

Häufige Fragen zu ESD- & Antistatik-Boden nach DIN EN IEC 61340-5-1

FAQ: ESD- und Antistatik-Boden nach DIN EN IEC 61340-5-1

In ESD-sensiblen Bereichen zählt nicht nur die richtige Oberfläche, sondern das gesamte System. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zu Normen, Grenzwerten und Planungssicherheit.

„Antistatisch“ ist unscharf und meint meist nur die geringere Personenaufladung. Ein ESD-fähiger Boden muss nach DIN EN IEC 61340-5-1 (VDE 0300-5-1):2025-06 definierte Grenzwerte einhalten, um elektronische Bauteile zu schützen. Pflicht-Grenzwert für EPA-Böden ist ein Erdableitwiderstand Rg unter 1 Gigaohm (1 x 10⁹ Ω), gemessen nach DIN EN 61340-4-1, plus eine Begehspannung unter 100 Volt nach DIN EN IEC 61340-4-5. Der häufig zitierte Systemwiderstand von 3,5 x 10⁷ Ω ist eine Empfehlung aus 61340-4-5 für den Sonderfall Schuh-Boden-Personenerdung, kein Pflicht-Grenzwert der 61340-5-1 selbst.

Über das System, nicht über einen Anstrich. Beim Hexacer®-System leiten das leitfähige Fugen- und Bettungsmaterial die Ladung ab. Beim leitfähigen Estrich sorgen leitfähige Zuschläge im Material plus die Erdung für den Ableitpfad. Wichtig und ehrlich: reiner geschliffener Beton, auch mit einer chemischen Betonvergütung mit CSH PRO, ist von sich aus nicht zuverlässig ableitfähig. Für einen normkonformen ESD-Boden braucht es ein leitfähiges System und die Anbindung an den Potenzialausgleich.

Ja, zwingend. Die Ladung muss sicher gegen Erde abfließen, also wird das Bodensystem an den Potenzialausgleich des Gebäudes angeschlossen. Wir setzen definierte Erdungspunkte (Earth Bonding Points, EBP) oder ein Kupferband-Netz, das Ihr Elektriker final anbindet. Der EBP muss physisch vorhanden, zugänglich und dokumentiert sein, und er darf ausdrücklich nicht als Schutzleiter verwendet werden.

Ja, und das ist der Vorteil gegenüber ESD-Epoxidharz-Beschichtungen. Weil die Leitfähigkeit im Systemaufbau liegt und nicht in einer dünnen Deckschicht, unterbricht ein Kratzer den Ableitpfad nicht. Der Widerstand bleibt auch bei schwerem Staplerverkehr und FTS-Fahrwegen stabil.

Ja. Für explosionsgefährdete Bereiche der Zonen 0, 1, 20 und 21 (bei Stäuben mit Mindestzündenergie unter 10 mJ) schreibt TRGS 727 einen deutlich strengeren Grenzwert vor: der Ableitwiderstand des Fußbodens muss unter 1 x 10⁸ Ω liegen, zehnmal strenger als der EPA-Grenzwert der IEC 61340-5-1. Bei Bodenbeschichtungen mit möglicher Alterung gilt zusätzlich: Neuzustand maximal 10⁷ Ω, nach vier Jahren maximal 10⁸ Ω. Besonders das chemikalienbeständige Hexacer®-System eignet sich für Abfüllbereiche in Chemie und Pharma.

Ja. Unsere Systeme erfüllen die Anforderungen partikelarmer Umgebungen nach EU-GMP Annex 1 (Revision 2022) und ISO 14644. Die dichte, polierte Oberfläche unterbindet Staubabrieb, die Ableitfähigkeit verhindert zusätzlich, dass statische Aufladung Schwebstoffe aus der Luft anzieht. In GMP-regulierten Bereichen stellen wir auf Wunsch eine IQ/OQ/PQ-Qualifizierungsdokumentation bereit. Details zur Reinraum-ESD-Kombination auf unserer Seite ableitfähige Böden für Reinräume nach EU-GMP und ISO 14644.

Ja, im Rahmen einer Industriebodensanierung im laufenden Betrieb. Wir entfernen die kontaminierten Schichten durch Schleifen oder Fräsen und bauen darauf das leitfähige System (Keramik oder leitfähiger Estrich) mit Erdung auf. Ein Komplettaustausch des Betons ist meist nicht nötig.

In der Regel ja. Alte Epoxid- oder PU-Beschichtungen wirken als Isolator und würden die neue Ableitkette unterbrechen. Wir entfernen sie durch Planfräsen und Entschichten oder Diamantschleifen, damit das leitfähige System homogen aufgebaut und sauber geerdet werden kann.

Das hängt vom System und der Fläche ab. Weil wir lange Aushärtezeiten von Mehrschicht-Beschichtungen vermeiden, halten wir die Betriebsunterbrechung gering. Einen genauen Zeitplan erstellen wir nach Besichtigung und Bestandsaufnahme.

Falsche Reinigung ist die häufigste Ausfallursache von ESD-Böden. Keine wachshaltigen oder filmbildenden Reiniger verwenden, sie bauen eine isolierende Schicht auf, die den Ableitwiderstand über den Norm-Grenzwert treibt. Wir empfehlen die chemiefreie Twister-Reinigung ableitfähiger Böden mit Diamantpads und klarem Wasser, das erhält die Ableitfähigkeit ohne Chemie.

Bei leitfähigen Keramik- und Estrichsystemen ist sie eine Materialeigenschaft und bleibt erhalten, solange keine isolierenden Fremdschichten (Schmutz, Wachs) aufgebracht werden. Das ist der Vorteil gegenüber ESD-Versiegelungen, deren oberflächenbasierter Ableitpfad durch mechanische Beanspruchung altern kann und dann erneuert werden muss.

Durch Messung. Vor der Übergabe führen wir eine normgerechte Abnahmemessung durch und dokumentieren Erdableitwiderstand Rg (Elektroden-Messung nach DIN EN 61340-4-1) und Punkt-zu-Punkt-Widerstand Rp-p an repräsentativen Punkten, auf Wunsch mit Walking-Body-Voltage-Test nach DIN EN IEC 61340-4-5. Sie erhalten ein Messprotokoll für Ihr ESD-Control-Programm. Best Practice: halbjährliche Nachmessungen bei sommerlicher und winterlicher Luftfeuchte, weil die relative Luftfeuchte den Ableitwiderstand messbar beeinflusst.

Die Begriffe werden in drei Regelwerken unterschiedlich definiert. DIN EN 14041 (Bauproduktnorm Bodenbeläge) setzt die Grenze bei 10⁶ Ω: leitfähig unter 10⁶ Ω, ableitfähig zwischen 10⁶ und 10⁹ Ω. TRGS 727 (ATEX) zieht die Grenze schärfer: leitfähig unter 10⁴ Ω, ableitfähig zwischen 10⁴ und 10⁹ Ω. Die aktuelle DIN EN IEC 61340-5-1 kennt diese Einteilung für EPA-Böden gar nicht mehr, dort gilt nur ein einziger Pflicht-Grenzwert: Rg unter 10⁹ Ω. Für EPA-Zonenplanung ist damit der IEC-Wert maßgebend, für die Bauproduktbewertung DIN EN 14041, für Ex-Zonen TRGS 727.

Immer dann, wenn ein rechtlicher oder normativer Anlass es fordert. Pflichtfälle sind: EPA-Zonen in der Elektronikfertigung nach DIN EN IEC 61340-5-1 (überall dort, wo empfindliche Halbleiter-Bauteile ohne Personenerdung berührt werden), Ex-Schutz-Zonen 0, 1, 20 und 21 mit brennbaren Stäuben unter 10 mJ Mindestzündenergie nach TRGS 727, Chemie-Abfüllanlagen mit brennbaren Flüssigkeiten, Sprengstofflager, Getreide- und Futtermittelwerke mit Staubzonen, Öl- und Mineralstaubprozesse. In Reinräumen für Pharma-Produktion oder Halbleiterfertigung ist die Kombination ableitfähig plus partikelarm Standard nach EU-GMP Annex 1 und ISO 14644.

TRGS 727 ist zehnmal strenger. IEC 61340-5-1 verlangt für EPA-Böden Rg unter 10⁹ Ω. TRGS 727 verlangt für Ex-Zonen 0, 1, 20 und 21 einen Ableitwiderstand unter 10⁸ Ω, für Sprengstofflager in Verbindung mit IEC TS 60079-32-1 sogar unter 10⁶ Ω. Ein Boden, der IEC 61340-5-1 erfüllt, ist damit nicht automatisch TRGS 727-konform, die ATEX-Auslegung braucht die schärferen Werte plus eine dedizierte Zonen-Klassifikation. Für Chemie-, Pharma-, Sprengstoff- und Staub-Ex-Bereiche ist TRGS 727 die maßgebliche Regel, nicht IEC 61340-5-1.

Nicht zuverlässig ableitfähig. Standard-Beton hat keinen definierten Ableitpfad, sein Widerstand variiert stark mit Feuchte, Verschmutzung und Bewehrungslage. Auch geschliffener und mineralisch vergüteter Beton bleibt für ESD-Zwecke ohne dediziertes leitfähiges System außerhalb des Norm-Fensters von 10⁶ bis 10⁹ Ω. Für normkonforme EPA- oder ATEX-Böden braucht es entweder ein leitfähiges Keramiksystem, einen leitfähig aufgebauten Estrich oder eine leitfähige Beschichtung, jeweils an den Potenzialausgleich angebunden.

Die aktuell gültige Ausgabe ist DIN EN IEC 61340-5-1 (VDE 0300-5-1):2025-06, publiziert im Juni 2025 auf Basis der internationalen IEC 61340-5-1:2024 (3. Ausgabe). Sie ersetzt die Vorgängerversion 2017-07, Übergangsfrist bis 2027-06-27. Die Norm regelt den Schutz elektronischer Bauteile in Elektrostatic Protected Areas (EPA): Anforderungen an das Bodensystem (Rg unter 10⁹ Ω), an Personenerdung, an Verifikationsverfahren (Verweis auf IEC 61340-5-4) und an das ESD-Control-Programm. Sie ist mit der US-amerikanischen ANSI/ESD S20.20 seit 2016 technisch harmonisiert, ein Boden, der 61340-5-1 erfüllt, ist damit gleichzeitig S20.20-konform.

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Für konkrete Ausschreibungen, Retrofit-Fälle und Sanierungen im laufenden Betrieb: unser technisches Projektteam nimmt Ihre Fläche auf, dokumentiert den Ist-Zustand (CM-Feuchte, Widerstands-Voruntersuchung, Beschichtungs-Analyse) und erstellt ein Messkonzept mit den geforderten Grenzwerten.

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